WORTH A VISIT

Noblesse oblige - wie in dieser Ausstellung 2021 im Schaezlerpalais, Augsburg

 

'Bitte, Sie müssen uns unbedingt einmal besuchen!'

Wo holt sich 'The FoodTorian' Appetit? Lässt sich inspirieren? Kommt auf Ideen, charmante, verwegene, unterhaltsame? Nicht nur bei Tisch, in Schlossrestaurants und Schlossküchen, sondern auch in Museen, Galerien, auf Ausstellungen und Kulturveranstaltungen. Ohne sophistication ist feines Essen bloß Attitüde - und letztlich auch nicht denkbar. Eines bedingt das andere. Viel Vergnügen!

 

Die Empfehlungen sind

alphabetisch nach Städten

geordnet.

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Bad Ischl, Austria

Worth a visit: Kur-Apotheke Bad Ischl

Damenpulver à la 1900 kann man hier zwar nicht erwerben, aber davon träumen unbedingt. Und ein bisserl sich umschauen und staunen und bei diesem und jenem sich denken: Ach, warum eigentlich nicht? Ein Schönheitswässerchen-, Elixir- und Tonikum-Paradies, das den Besuch im Drogeriemarkt zur eher drögen Veranstaltung degradiert.

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Bad Ischl, Austria

Worth a visit: Kaiservilla Bad Ischl

Bitte einzutreten: ins sommerfrische Privatissimo der kaiserlichen Familie, den Roten Salon, den Grauen Salon, Schlafzimmer und Büro des Kaisers - und auch an jenen Tisch, auf dem u. a. Gams serviert wurde. Wie die Servietten dazu gefaltet waren, ist auch zu bewundern. Infos zu den Öffnungszeiten: www.kaiservilla.at

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Bad Tölz, Bavaria, Germany

Worth a visit: Tölzer Schießstätte Gasthaus Hager, Bad Tölz

Bewertung:

3 Weiße Schürzen im

"Guide FoodTorian"

Erstmals verliehen im Juni 2022 im "Guide FoodTorian":

3 Weiße Schürzen für Michaela Hager

Ab sofort verleiht The FoodTorian eine Auszeichnung für die Bewahrung feinster Wirtshaus-Kochkunst: Klassische Rezepte, Leibspeisen, die bitte so bleiben dürfen, wie sie immer schon waren, frisch gekocht, gewürzt mit Herz und Können.

Höchstnote: 3 Weiße Schürzen.

Den Anfang macht Michaela Hager mit ihrem Mann Anderl. Denn auch Männer können weißeschürzemäßig gut kochen!

 



Michaela Hager und ihr Mann servieren Klassiker der bayerischen Küche (mit Blick über den Tellerrand Richtung benachbartes Tirol) in kompromisslos frischer Qualität. Man möchte meinen, dass es nicht so schwer sein könnte, eine gute Fleischbrühe, ein Blaukraut, einen Kartoffelbrei, Marillenknödel oder Schweinsbraten so rechtschaffen hinzukriegen, wie es in der Glanzzeit jener Köchinnen, die weiße Schürzen trugen, selbst in einfachen Haushalten zumindest an Sonntagen gang und gäbe war. Doch offensichtlich ist das inzwischen eine hohe Kunst. Und deshalb ist das Gasthaus der beiden zurecht eine Berühmtheit.




Rechtzeitig reservieren ist hier unbedingt anzuraten. Einmal im Monat ist Michaela im Bayerischen Fernsehen zu sehen. Sie macht in der Sendung "Wir in Bayern" dem Publikum mit ihrer in sich ruhenden, sperenzchenfreien Kochkunst jedes Mal den Mund wässrig. Auch in ihrem Gasthaus kochen die beiden Hagers nur mit den allerfrischesten Zutaten. Sie kennen die Lieferanten und nennen diese auch auf ihrer Speisekarte. Die ist täglich anders, und täglich handgeschrieben.



Und eine eigene Handschrift ist hier bei jedem Gericht erkennbar. Alles schmeckt grundgut. Michaela Hager stampft den Kartoffelbrei von Hand, würzt den Schweinsbraten gekonnt und  ohne Firlefanz, und was das Geheimnis ihrer tiefwürzigen Sauce zum Jachenauer Hirschbraten auch immer sein mag - es soll ihres bleiben dürfen.



So sitzt man, wenn es kühl ist, in der gemütliche Stube mit Kachelofen, oder bei schönem Wetter an blumengeschmückten Tischen im kleinen Schanigarten vorm Haus, lässt sich eine Bachforelle schmecken, oder eine Grießnockerlsuppe oder wölckchengleiche Marillenknödel - und denkt darüber nach, was die eigentliche Pointe an der Schlaraffenland-Geschichte ist - dass die Leute da nämlich unbedingt hinwollten, weil etwas Grundeinfaches auf sie wartete: Grießbrei, Milch, Honig.

Bloß: Ins Schlaraffenland kommt man nur, wenn man sich durch einen Berg von Brei futtert. Zu den Hagers geht es einfach nur wunderschön voralpenländisch den Buchberg rauf.



www.michaela-hager.de

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Istanbul, Turkey

Worth a visit:

Lacivert Restaurant

 

"Niedergangen ist die Sonne,

Doch im Westen glänzt es immer;

Wissen möcht ich wohl, wie lange

Dauert noch der goldne Schimmer?"

(Sommernacht, Johann Wolfgang v. Goethe, West-östlicher Divan)

 

Mit dem Auto ins Restaurant zu fahren - kulturhistorisch betrachtet, war das nur kurze Zeit flamboyant. Schnell wurde es gewöhnlich. Das Vergnügen zur Gewohnheit vieler zu machen, ist das Verdienst der Moderne.

Das Außergewöhnliche blieb dabei auf der Strecke. Oder sagen wir so: Es kommt nicht zwingend mehr auf vier Rädern daher (Kinderwägen und Kutschen sind von der Beobachtung ausgenommen).

 

Mein Lebensgefährte zum Beispiel hatte mal die Idee, mich an Heiligabend in eine Hawaii-Bar einzuladen. Mai Tai statt Tannenbaum. Okay, wir waren damals in seiner zweiten Heimat Südkalifornien. Aber seine Familie hat bayerische Wurzeln. Da ist die Hawaii-Bar an Heiligabend nicht gerade eine zwingende Option.

 

Hinzu kam, er fand, wir sollten nicht mit dem Rad da hinfahren. Sondern mit dem Boot. Allerdings haben wir kein Boot. Wir hatten nur eine Art sehr charmantes, aber auch sehr schaukelndes Adirondack Guideboat vor der Haustür im Wasser vertäut. Es war dunkel draußen, und mein Freund fand, der einzig coole Weg, an Heiligabend einen anständigen Mai Tai zu trinken, ist nachts eine Stunde durch den vielbefahrenen Hafen von Newport Beach in einem kleinen, wie beschwipst schwankenden Guideboat zu rudern, zwischen all den für die Christmas Boat Parade geschmückten Schiffen hindurch, nur mit einer kleinen Stirnlampe ausgerüstet. Und dann bei Billy's at the Beach aus der Nussschale zu steigen.

Natürlich wurde es einer der schönsten Heiligabende meines Lebens.

 

So wie bei Billy's, war es auch am Bosporus ganz und gar nicht mein Verdienst, eines meiner erinnerungswürdigsten Ausgeherlebnisse unter anderem auch deshalb so genießen zu können, weil der Weg dorthin über schwankenden Boden führte. Das außergewöhnliche Abendessen war ein Geschenk. Ich bin sehr dankbar dafür. Gerade in Istanbul gelandet, eine kaugummizähe Stunde lang über Ausfallstraßen vom Flughafen in die Stadt - und dann: ein schaukelndes Boot, Wind, Wellen, Blau, Abendsonnenglanz, in der Ferne eine Brücke und die Frage: Wohin? Ich hatte keine Ahnung. Es sollte eine Überraschung sein.

 

Fatih Sultan Mehmet Brücke

Wenn mitten durch eine Stadt die Grenze zwischen Asien und Europa verläuft und diese Grenze eine Wasserstraße ist, liegt es nahe, für die Stippvisite von Europa nach Asien den direkten Weg zu wählen. Das ist im Falle des Restaurants Lacivert eindeutig das Boot. Das Restaurant ist unter anderem berühmt dafür, dass es seine Gäste aus Europa ebendort mit dem Boot abholt und nach einer fulminant beschwingten Fahrt über den Bosporus quasi direkt bei Tisch vor Anker gehen lässt.

Das hat unter anderem den Vorteil, dass man die Brücke, an der das Restaurant liegt, aus jener Perspektive bewundern kann, die ihre schnittige Couture so richtig zur Geltung bringt.

 

Mai Tai gibt es hier nicht.

Aber feinen türkischen Wein.

Es soll Leute geben, die in diesem Restaurant zu Gast waren, eben weil sie nicht in Istanbul leben, sondern weil sie in Istanbul Urlaub gebucht - und sich zuvor schlau gemacht hatten, wie hip dieses Lacivert Restaurant bei den Istanbulern ist. Und die dann unter einer der schönsten Brücken zwischen Europa und Asien einen Tisch für sich hatten, mit Ausblick auf einen der spektakulären Streckenabschnitte der einstigen Seidenstraße, und dann an nicht unübel gedeckter Tafel mit nicht wirklich unpassabler Aussicht eine frische, sommerabendfeine Mittelmeerküche genießen konnten - und hinterher im sogenannten Bewertungsportal ein sinngemäßes "Und das soll alles sein?" hinterließen.

 

Mei. Die sind vielleicht noch nie für einen Drink durch die Dunkelheit gerudert.

 



"Gutes Essen allein genügt nicht."

(Alois Martin, Die Kunst des Ausgehens)


www.lacivertrestaurant.com

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Klagenfurt, Austria

Hier hält der Bratwurstkönig Hof

Worth a visit:

Benediktinermarkt Klagenfurt

Der Benediktinermarkt ist das Herz Klagenfurts, quirlig und lebenslustig. Und eine Besonderheit dazu: Seit Jahrhunderten erlaubt die Marktordnung den Kleinbauern aus der Region wie auch privaten Pilz-, Kräuter- und Beerensammlern hier ihre Waren feilzubieten, auch in kleinen Mengen. Wenn's aus ist, ist's eben aus! An den Wochenmarkttagen Donnerstag und Samstag reiht sich eine Verkaufsbank an die andere, und Bäuerinnen in Schürze schütten ihr Füllhorn hausgemachter Spezialitäten aus: gekrendelte Kärntner Nudeln, Mohn- und Nusspotitzen, Reindlinge, Butterlaibe aus dem Holzmodel, Speck, Bratlfett, große Tortenstücke und kleine Sträußchen mit Veilchen. In der ganzjährig geöffneten, überdachten Halle isst man sich vorher am besten ein bisschen satt, mit Fleischsuppe, Würsteln mit Kren, und danach erst geht's zum Frühschoppen mit Wein, Würsten und umtriebigem Gewurrl voller Menschen, die gucken, staunen, da was naschen und dort, und dann ihre Körbe füllen. Unbedingt probieren, weil eine Klagenfurter Tradition: frischgepresster Orangen-Karottensaft mit Ingwer!


When you're in Klagenfurt

do as the Klagenfurters do:

"Einen großen Karottensaft, bitte!"

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Venice, Italy & Istanbul, Turkey

Venedig & Istanbul: Sister Cities!

Guess, in which city I took which photo?

Worth a visit: Venedig & Istanbul

Im Juni 2022 besuchte ich kurz hintereinander zwei der schönsten Städte der Welt: Erst Istanbul. Dann Venedig. Dabei fiel mir auf, wieviele überraschende Übereinstimmungen in beiden Städten zu finden sind. So viel gemeinsame Geschichte, so viele kulturelle Schätze - die sich oft verblüffend nahe sind und nicht ohne Grund auf den ersten Blick mitunter fast zum Verwechseln. Das hat mich so gefesselt, dass ich einen kleinen Film dazu gemacht habe. Einfach so, aus Spaß. Weil die beiden Traumstädte so viel fürs Auge bieten. Und für den Genuss. Dolce Vita am Bosporus und an der Lagune!

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Venice, Italy

Worth a visit: Caffè Florian, Venice

"... dem Raum vor dem Markusplatze kann

wohl nichts an die Seite gesetzt werden."

(Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise)



Alle paar Minuten eine wechselnde Besetzung, großes Kino in Breitwandqualität, wogendes Welttheater direkt vor Augen - was diese Vergnügungen zugegebenermaßen noch eine Spur beschwingter, prickelnder macht, ist immer: ein feines Gläschen irgendwas. Champagner - oder im Veneto natürlich ein guter Prosecco -, heiße Schokolade, Kaffee. Kurz: das Kaffeehaus als Bühne. Mit Logenplatz in der ersten Reihe. Dafür kann es nur die eine Adresse geben, das erste Haus am Platze, die Grande Dame der Welttheaterbühne Markusplatz:

Das Florian.

Es soll Zeitgenossen geben, die monieren, für eine Tasse Kaffee in diesem Etablissement bezahle man so viel wie andernorts für eine Mahlzeit.

 

Ich halte dagegen:

Jeder Kinoabend ist teurer.

 

Dargeboten wird: Eine Geschichte, über 300 Jahre alt; Floriano Francesconi eröffnete sein Café am Markusplatz am 29. Dezember 1720; ein Drehbuch, an dem weltberühmte Darsteller wie Giacomo Casanova und Carlo Goldoni mitgewirkt haben - neben zahlreichen weiteren Haupt- und Nebendarstellern der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte, die auf dieser Bühne im Laufe der Jahrhunderte als Gäste mal größere, mal kleinere Rollen einnahmen; ein Bühnenbild mit Originalinterieur des 18. bis 19. Jahrhunderts, Vergoldungen, Glasmosaiken, Glanz, Glamour, Samt und Seide. Dazu: eine elegant routinierte Stammbesetzung, internationale Komparserie, ein glänzend gelauntes Orchester - und: kulinarische Vergnügungen allerfeinster Güte.

 

Gäbe es ein Abonnement, ich nähme es auf Lebenszeit.


Caffe Florian: Italiens ältestes Kaffeehaus


Rätselfrage am Rande:

Wieso gibt es in Italien eigentlich die besten Chips?

(Das Florian macht da keine Ausnahme ...)

www.caffeflorian.com

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Venice, Italy

Hotspot & Hidden Travel Gem:

5 Minuten vom Rialto - selten so gut gegessen!

Worth a visit: Venice M'Art, Venedig

Erst im Januar '22 eröffnet, schon the place to be in Venice: Venice M'Art ist Concept pur, Restaurant, Hotel, Shop, Site to see - schön, großartig, besonders, ohne Pseudo und Möchtegern. Understatement mit Herz. Italien halt. Venedig eben. Perfekt. Essen vom Feinsten; der Koch hat von einem der Spitzentempel der Stadt hierher rübergemacht, zum Glück aller, die mit Blick auf den Canal feinste Pasta, selbstgemachte Liköre, frisch gebackenes Brot und Meersalz-Croissants nebst Butter zum Niederknien genießen, die Tagliata zum Reinlegen finden und zum Rest nur noch sagen, hach! Empfehlung: Unbedingt hingehen. Nicht mehr aufstehen, und dann noch eine Flasche von den großartigen Weinen (u. a. aus Österreich). Und natürlich keinem weiterverraten!

Sestiere Cannaregio 5631, Venezia.

www.venicevenice.com

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Zagreb, Croatia

Wunderschön gelegen in der Oberstadt

von Zagreb am Jesuitenplatz

Worth a visit: Galerija Klovicevi Dvori, Zagreb

Mein erster Besuch in der Galerie am Jesuitenplatz in der Zagreber Oberstadt war so beglückend, dass mich diese Adresse seither am Wickel hat: die Ausstellung "Bucovac" über den prägenden Jugendstil-Maler der Belle Epoque Vlaho Bucovac. Seither gucke ich bei jedem Besuch in Zagreb zuerst mal, was es Neues in der Galerie zu sehen gibt. Hervorragend kuratierte, wechselnde Ausstellungen - Augenöffner für alle, die sich für Kunst und Künstler Mitteleuropas interessieren.

 

www.gkd.hr

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Zagreb, Croatia

Begegnungen mit der k.-u.-k.-Küche

Worth a visit: Museum Puntijar, Zagreb

Eine Reise ins Goldene Zeitalter der Donaumonarchie, als Zagreb noch "Agram" hieß - die glanzvolle, kulturell reiche und prägende Epoche macht die Stadt heute noch zu einer der attraktivsten Mitteleuropas. Auch kulinarisch: Über 3000 historische Kochbücher, Menükarten, Tanzkarten und bibliophile wie küchentechnische Kostbarkeiten zeigt der Sammler und enthusiastische Geschichtenliebhaber und -erzähler Zlatko Puntijar in diesem erinnerungssatten Haus mit angeschlossenem Boutiquehotel. Charmant!

 

www.hotelpuntijar.com

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.... still to come:


Worth a visit: Schaezlerpalais, Augsburg

In den USA las ich mal das Sprichwort: 'Anything that took me more than two hours to cook, should take you more than two minutes to eat'. Als ich die Ausstellung 'Um angemessene Kleidung wird gebeten' im Schaezlerpalais Augsburg besuchte, fand ich, das trifft auch auf den Dresscode zu: Feines Essen, feines Kleid! Das Rezept zur Abendrobe: Erdbeeren Romanoff! (Soon to come...)


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